Donnerstag, 7. Juli 2011

Numerus Clausus aus ökonomischer Sicht

"Mein Traum ist es ja [Studiengang Ihrer Wahl] zu studieren, aber mein Abischnitt reicht nicht" - wie oft hört man das, wenn man sich mit Abiturienten unterhält? Auf jeden Fall hört man es von Abiturienten, die Psychologie studieren wollen, besonders oft.

Die Idee ist ziemlich einleuchtend, aber fangen wir von vorne an: den Numerus Clausus gibt es für Studiengänge, die zulassungsbeschränkt sind, da es zu viele Bewerber für zu wenige Studienplätze gibt. Ein Beispiel: sagen wir mal für dieses Jahr gibt es an der Uni x den Studiengang Abfallentsorgung (kein Scherz) mit 30 freien Plätzen, sobald es zu viele Bewerber gibt, braucht man logischerweise ein Auswahlverfahren. Und da wird sehr oft einfach nur auf den Abischnitt geschaut.

Ederer und Schuller (1999) schlagen eine etwas andere Vorgehensweise vor: rentiert sich ein Studiengang wirtschaftlich gesehen, dann sollte man mehr Plätze zur Verfügung stellen, ist dies nicht der Fall, sollten Plätze gekürzt werden (bzw. eine Beschränkung eingeführt werden). Jetzt mag der eine oder andere sagen, dass es gar nicht geht die Rendite für ein Studium zu berechnen, doch genau das haben Ederer und Schuller gemacht. Sie vergleichen ähnliche Berufe mit unterschiedlichen Abschlüssen: z.B. ein Informatiker, der eine Ausbildung absolviert hat versus ein Informatiker der studiert hat. Wie viel verdienen sie im Schnitt, wie viel haben sie für die Ausbildung/Studium für welche Zeiträume ausgegeben, wie viel Steuern zahlen sie über die Jahre, die sie arbeiten? Natürlich gibt es auch hier Schätzfehler, mir geht es aber viel mehr um die Idee, die dahinter steht Studiengänge mit hohen Renditen sollten nicht zulassungsbeschränkt sein, hingegen wäre es abzuwägen, ob man nicht Studiengänge mit niedrigen Renditen beschränkt. Mehr Plätze für wirtschaftlich lohnenswerte Studiengänge!

Die Psychologie hatte übrigens eine Rendite von 2% (Ederer & Schuller, 1999), die mittlerweile deutlich höher sein sollte, da sich die Studiendauer stark verkürzt hat (1998 lag sie im Durchschnitt bei 15,4 Semestern, rein intuitiv würde ich vermuten, dass die Mehrheit es mittlerweile in 10 Semestern schafft, selbst wenn sie im Schnitt bei 12 Semestern liegt, steigt die Rendite erheblich).

Da ich nicht sonderlich stark auf Geld fixiert bin, will ich gerne eine eigene Idee einbringen: der ideelle Wert eines Studiums sollte nicht unberücksichtigt bleiben und definitiv mit einberechnet werden. Ich bin mir sicher, dass es Studiengänge gibt, die eine hohe Rendite haben, aber bei denen die Menschen im Beruf nicht wirklich glücklich werden, eine überdurchschnittlich hohe Chance haben Burnout zu bekommen und so weiter. Wenn wir also beide Faktoren berücksichtigen, kommen wir sicher zu besseren Ergebnissen. Eine Frage ist dann eben noch: sind Menschen mit dem Beruf nach dem Studium glücklicher oder mit einem vergleichbaren Beruf ohne Studium. Man kann sich leicht vorstellen, dass es viele Störvariablen gibt, aber die Idee ist zumindest da. Eventuell sollten auch weitere Faktoren berücksichtigt werden. Ein interessantes Thema ist es auf jeden Fall für die positive Psychologie und die Wirtschaft.

Quellen:
Ederer & Schuler (1999). Geschäftsbericht Deutschland. Schäffer-Poeschel Verlag.

4 Kommentare:

  1. Also den Artikel lehne ich erst mal wegen Formfehlern ab. Die Zitationsweise stimmt nicht mit APA 6 überein ;P

    Da ich kulant bin und über diese kleine Unzulänglichkeit hinwegsehen will, kommen wir nun zum Inhalt:

    mmh. Also in gewisser Weise kann ich die Argumentation von Ederer & Schuler nachvollziehen. Studenten kosten den Steuerzahler Geld, d.h. wir alle bezahlen sie mit und obwohl alle sie mitfinanzieren, dürfen nicht alle studieren. Die generelle Zugangsvoraussetzung ist meist noch immer das Abitur. Wenn wir schon mal den allgemeinen Zugang zum Studium eingeschränkt haben, warum dann nicht auch noch mal gezielt ein paar Studienfächer? Ob die Abinote allein valide Aussagen über den späteren Erfolg eines möchte-gern-Arztes vorhersagen kann, ist eine andere Sache, aber welche Kriterien schlägst du denn vor?

    Ohne für eine staatliche Lenkung von Studienrichtungen zu plädieren außerdem einmal folgendes Gedankenspiel: Angenommen, es bewerben sich 500 Leute auf den Studiengang der Abfallensorgung und weiter angenommen, die 500 würden auch alle angenommen und mal ganz idealistisch (und weltfremd) angenommen, alle 500 ziehen das Studium in Regelstudienzeit durch und schließen es erfolgreich ab: Was mache ich mit 500 B.Sc.Abfallentsorgern, wenn ich nur für maximal 40 eine Stelle habe? Ein hohes Angebot drückt natürlich die Preise. Das einstellende Unternehmen kann sich folgich den Bewerber raussuchen, der bereit ist mit seinem Uniabschluss für 800€ im Monat 60 Stunden die Woche zu arbeiten. Alle sind glücklich, oder?

    Zum Abschluss noch zwei Kommentare zu deinem Text: Die durchschnittliche Studiendauer im Fach Psychologie mag gesunken sein, oder auch nicht. Durch persönliche Gespräche scheint es mir, als sei bspw. Chemnitz eine Uni, an der dieses Studium recht schnell durchgezogen wird. Davon einmal abgesehen entsprechen die von dir genannten 10 Semester bei einem B.Sc./ M.Sc. Studium gerade so der Regelstudienzeit. Sicherlich werden es viele Studis in dieser Zeit schaffen, aber wie sich das neue System langfristig auf die durchschnittlichen Studienzeiten auswirkt, bleibt m.E. noch abzuwarten.

    Der zweite Kommentar bezieht sich auf das Thema burnout: hängt man sich nicht häufig gerade in die Arbeiten rein, die einem (zumindest ursprünglich einmal) Freude bereitet haben. Also die ernst gemeinte Frage einer Unwissenden: ist burnout in Traumjobs tatsächlich seltener, als in "Zwangsjobs", wo die Arbeitnehmer ohnehin eher darauf bedacht sind, Arbeit nach Vorschrift zu machen und nach Punkt 8 Stunden nach Hause gehen?
    und zu guter letzt ein vielleicht nicht ganz so ernst gemeinter Kommentar: lass die Leute doch Burnout bekommen - mehr Arbeit für die Psychologen dieser Welt. ;P

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  2. Also gegen Abinote hab ich gar nichts einzuwenden, es ist ökonomisch und in D kann man ja auch trotzdem alles studieren, was man will, wenn man genug Ausdauer hat.

    Mein Punkt ist: Studienfächer, die dem Staat und dem Studenten Profit (erst mal finanziell) bringen, sollten nicht zulassungsbeschränkt sein, wozu denn auch? Stattdessen sollten mehr Plätze zur Verfügung gestellt werden, mehr Personal eigestellt, usw..

    Das mit den 500 Abfallentsorgern wird ja nicht funktionieren, da die Rendite bei dem Studiengang einfach nicht hoch genug ist. Dass für die Studenten ein Berufsplatz vorhanden ist, ist ja unter anderem eine Voraussetzung dafür, dass die später mal mehr Geld verdienen als vergleichbare Berufe ohne Uniabschluss. Das heißt, es ist in der Berechnung schon mit drin.

    Bin mir relativ sicher, dass die Studiendauer gesunken ist, das Programm ist viel straffer, kann mir nicht vorstellen, dass der Durchschnitt 15 Semester studiert, somit steigt die Rendite (in der Psychologie zumindest). Ich bezieh mich auch eher auf 12 Semester als Mittelwert.

    Zum Thema Burnout:
    *Risikoberufe: starkes Engagement für die Arbeit; psychisches und physisches Eintauchen, Arbeit mit Menschen...mir fällt da immer der Beruf Lehrer ein, da kenn ich ja auch mittlerweile so einige, die später mal Kinder quälen dürfen...wär aber fast nen einzelnen Eintrag wert "kenne dein Berufsrisiko" :)
    *Traumjobs hin oder her, kommt auf die Situation und Person an...bin mir aber sehr sicher, dass ein z.B. Fließbandarbeiter mit seinem Job unzufriedener ist als ein Traumjobler
    *die Psychologen haben doch genug Arbeit ;)

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  3. also den ursprünglichen Artikel hatte ich irgendwie ganz anders verstanden, als jetzt den Kommentar dazu. Mein ursprüngliches Verständnis deiner Meinung war: "lasst alle studieren, was sie wollen. Der Staat hat kein Recht das zu reglementieren". Nach dem zweiten Absatz deines Kommentares ist mein Verständnis "sofern der Studiengang mehr abwirft, als er kostet, sollte es keine Zulassungsbeschränkungen geben" - über den Rest bin ich unschlüssig

    Zum Fließbandarbeiter: Klingt in deiner Formulierung, als könne das kein Traumjob sein. Warum nicht? Ich verweise nur auf die von Kabat vel Job ;) so gern zitierte Geschichte mit der Kassiererin: sie wollt um nichts in der Welt den Job des Profs und er bedauerte sie für ihr 'Kassiererdasein' - Sicher sind viele in ihrem Beruf nicht super glücklich und zufrieden, aber das hängt m.E. mehr von Passung zwischen Aufgabe und Person ab, als von der Aufgabe per se

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  4. drück ich mich so schlecht aus? sollte unter diesen umständen eventuell keinen blog schreiben, oder?

    noch mal meine "forderung": studiengang profitabel -> mehr plätze; studiengang nicht profitabel -> weniger plätze; das ganze dann am besten noch auf 2 Ebenen: 1. finanziell profitabel 2. idealistisch profitabel

    zum zweiteren...klar, an den Kabat musste ich da auch denken...das ist schon was dran, aber der mensch ist mensch...autonomie+kompetenz+freunde führen zu intrinsischer motivation...hab mal autonomie und kompetenz am fließband ;)

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