Die Möglichkeiten, die wir aufgrund unseres Wirtschaftsystems heute haben sind wirklich immens. Wir können uns überall, fast alles kaufen, was wir wollen. Wir haben eine recht große Auswahl. Diese Freiheiten sind Privileg. Ich frage mich jedoch, welchen Preis wir wirklich dafür zahlen. Das gesellschaftliche Denken und auch das individuelle Denken baut meiner Meinung nach mittlerweile zu exklusiv auf den Proftigedanken auf. Die Frage, die sich jeder stellt: durch welche Handlungen kann ich den Profit maximieren? Das ist zwar durchaus rational und ergibt auch aus einer Perspektive Sinn: je mehr Profit ich mache, desto mehr Geld habe ich. Der Gedanke kann fortgeführt werden: je mehr Geld ich habe, desto weniger muss ich arbeiten, oder ich habe irgendwann so viele, dass ich nie wieder arbeiten gehen muss. Das letzte ist übrigens ein Ziel, welches viele Menschen anstreben und daran zugrunde gehen.
Die Profitmaximierung führt zu Geiz, Neid und einer Fixierung auf Materielles. Großzügigkeit sieht man bei solchen Personen eher selten. Menschen werden Mittel zum Zweck. Wer Kant kennt, weiss sicher, dass dies gegen das Prinzip der Menschenwürde verstößt. Meine Frage ist: wo bleibt der Mensch und das Menschliche? Was ich will, ist neben dem Faktor “Profit” gleichwertig andere Faktoren zu berücksichtigen. Ein kleinerer Profit, der mit meinen Werten übereinstimmt, ist im Endeffekt ein größerer Profit. Ein Job, bei dem ich weniger verdiene, der mir aber mehr Spaß macht, ist ein größerer Profit. Ein Land, dass seine politischen Entscheidungen nach einer Art hedonistischem Kalkül trifft, hat glücklichere Bürger. Ich stelle wieder die Frage: was ist denn überhaupt die Motivation? Geld alleine kann es nicht sein. Wieso treffen wir dann viele Entscheidungen nur nach diesem Kriterium? Vom Individuum hin zu großen Konzernen, bewusst oder unbewusst. Jeder kann hier sicher aus Erfahrung sprechen.
Gleichzeitig finde ich es immer wieder bewundernswert, wenn Menschen auch andere Faktoren oder sogar ausschließlich andere Faktoren berücksichtigen. Menschen, die menschlich geblieben sind und den Menschen in den Mittelpunkt stellen.
Wenn meine Motivation ist ein gutes, sinnvolles und glückliches Leben zu führen, muss ich das in meine Entscheidungen einfließen lassen. Wieso strebt die Politik und die Gesellschaft solche Ziele nicht an? Maximum an Geld führt nicht zu Maximum an Glück. Das ist mittlerweile ein simpler Fakt. Kasser (2002) zeigt das sehr schön und deutlich in seiner Zusammenfassung “The high price of materialism”. Viele Studien von unabhängigen Forschergruppen, international, interkulturell zeigen immer wieder den gleichen Zusammenhang: Geld macht nicht glücklich, Menschen die danach streben haben mehr psychische Probleme, mehr physische Probleme, sind unzufriedener. Versteht mich nicht falsch, ein gewisser Grundbedarf muss erfüllt sein, der Mensch braucht Sicherheit, er muss wissen, dass er auch morgen etwas zu essen hat, ein Dach über dem Kopf, Kleidung. Materielle Bedürfnisse sind natürlich, aber die Grenze ist schnell erreicht. Nach dieser Grenze ist der Wunsch nach materiellen Dingen immer noch da, aber es ist kein Bedürfnis mehr. “Mama, aber ich brauche dieses Spielzeug wirklich!” - Bedürfnis oder Wunsch?
Zusammenfassend: der Profitgedanke ist nicht grundsätzlich schlecht, aber wir sollten es nicht übertreiben und die Menschlichkeit nicht verlieren. Unternehmen sollten ihre Entscheidungen nicht nur nach der Maximierung des Profits ausrichten. Der Mensch hat von Natur aus materielle Grundbedürfnisse, diese sollten wir aber nicht mit Wünschen verwechseln.
Quellen:
Kasser, T. (2002). The high price of materialism. MIT Press.
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