Sonntag, 10. Juli 2011

Die Motivation kommt als Erstes

Die letzte Wahrheit gibt es, je nach Betrachtungsweise, leider Gottes oder Gottseidank nicht. Dabei ist doch jeder auf der Suche danach, oder? Wie lebe ich ein gutes Leben? Was muss ich tun um glücklich zu werden? Was brauche ich wirklich?

Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass jede Tätigkeit und jegliches Aktivsein mit einer bewussten Motivation anfangen muss, damit es fruchtbar wird. Sagen wir mal, dass ihr eine neue Sprache lernen wollt. Womit fangt ihr an? Ich denke die Meisten würden sich ein Buch für Anfänger holen oder nach einem Sprachkurs suchen, vllt. kennt ihr sogar jemanden im Freundeskreis, der euch die Sprache beibringen kann. Die etwas Erfahreneren würden sich wahrscheinlich ein oder mehrere sehr gute einsprachige Wörterbücher zulegen. Das klingt alles nachvollziehbar, aber ist meiner Ansicht nach falsch. Was ihr als erstes tun müsst, ist euch bewusst mit der Motivation zu beschäftigen, weshalb ihr die Sprache lernen wollt und was ihr damit erreichen wollt. Wenn die Motivation sozusagen die "richtige" ist, kommt alles andere von allein. Die richtige Motivation heißt für mich zum Beispiel, dass ihr es macht, weil ihr es wollt, es Spaß macht und nicht weil ihr gezwungen werdet (Stichwort intrinsische und extrinsische Motivation). Ich kenne zu viele Leute, die mit einer Sache anfangen, ohne sich überhaupt Gedanken über die Motivation zu machen und dann sehr schnell wieder aufgeben. Dabei ist mir klar, dass nicht alles was man tun muss, Spaß macht, aber mir geht es viel mehr um das bewusste Beschäftigen mit der Motivation.

Wenn ich genau weiß, was ich will, dann brauche ich die Gleichung nur nach dieser Variable umzustellen und kann anfangen zu rechnen. Aber ich sehe so wenig "Lebensmathematiker" unter uns. Die meisten beschäftigen sich mit Banalitäten und wollen gar nicht wissen, was sie wirklich wollen. Das kann ich verstehen, denn zum einen ist Ehrlichkeit schwer, zum anderen spielt die Komponente Angst auch immer eine Rolle.

Was braucht ihr also wirklich? Wie viel Geld braucht ihr im Monat um glücklich zu sein? Ihr wisst es nicht? Vielleicht arbeitet ihr ja im Moment zu viel und könntet mehr Zeit auf der Wiese herumliegen? Ich sehe, wie ihr gerade komisch guckt und den Gedanken für so abwegig haltet. Braucht ihr wirklich das neue Auto, den neuen Fernseher, das neue Handy? Was denkt ihr, wie glücklich euch das machen wird? Wollt ihr es um anzugeben, den Status zu erhöhen? Seid doch mal absolut ehrlich zu euch selbst, was ist eure Motivation? Es geht nicht darum Schuldgefühle zu erzeugen oder sich zu schämen, es geht darum bewusster zu leben und seine Beweggründe zu verstehen um sich selbst besser kennenzulernen. Welche Einstellungen und Werte habt ihr? Handelt ihr dann auch wirklich in den wichtigen Situationen nach diesen? Wenn nein, warum nicht? Durch was definiert ihr euch, ist es Geld, Macht, Status, Famile und Freunde oder vielleicht Wissen? Was macht euch wirklich Spaß, was begeistert euch, was ist Leidenschaft für euch? So viele Fragen, die mir kaum einer beantworten kann, und so viele, die es gar nicht versuchen wollen :). Um ein bisschen Druck zu erzeugen, sag ich euch mal eine unangenehme Wahrheit: ihr werdet irgendwann sterben. Furchtbar, oder? Das Ende ist halt wichtig in allen Dingen :).

2 Kommentare:

  1. ein gruseliger Appell, der fast nur aus Fragen besteht. Du hattest am Wochenende anscheinend doch zu viel Zeit. ;)

    wie du es gleich im ersten Satz formuliert hast: Die letzte Wahrheit gibt es nicht. Wenn dem so ist (und ich schlage mich auf die Seite der Zweifler), so stellt sich mir die Frage: Wozu überhaupt die Fragen stellen? Ich kann nach Antworten suchen, vielleicht sogar ernsthaft und vielleicht finde ich sie dann sogar, aber für was? Ich meine: Was ist die gefundene Antwort wert? Wahr ist sie anscheinend ja nicht. Was ist überhaupt wahr? Wer definiert wahr? Selbst wenn wir uns auf die Subjektivität in allen Dingen einigten, so gibt es immer noch die Dimension der Zeit. Was mich heute bewegt kann ich in 20 Jahren lachhaft finden, oder umgekehrt. Das heißt, ich kann ja noch nicht einmal meinen eigenen Aussagen und Anssichten trauen.

    Es ist nicht einfach, die Gleichung nach der Variable umzustellen, die ich suche. Wie du vollkommen richtig erwähnt hast, muss ich erst mal wissen, nach welcher Variable ich denn suche. Das nächste Problem tut sich auf, wenn ich die Variable in der Gleichung suche. Lebensgleichungen sind oft lang, sehr lang und haben ungeheuer viele Unbekannte. Selbst wenn ich meine gesuchte Variable endlich identifiziert habe, ist es für einen normalen Menschen schwierig, die Gleichung ohne Fehler schnell nach der gesuchten Variable umzustellen. Manchen mag es zeitnah gelingen, für andere wird es zur Lebensaufgabe und wieder andere sterben, ehe sie es geschafft haben. Manche sterben, ohne es je versucht zu haben. Haben die Menschen ein unvollkommeneres Leben gehabt, als die anderen? Nicht unbedingt. Heuristisch und intuitiv gelingt uns im Leben sehr viel, für dessen exaktes Abwägen wir talentierte Mathematiker (im übertragenen Sinne) hätten sein müssen. Allen anderen bleibt die Suche. Ist der Weg nicht ohnehin das Ziel?

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  2. Die Motivation steht ja nur am Anfang und deine Frage ist natürlich berechtigt. Wozu suchen, wenn wir doch nicht fündig werden? Wahrscheinlich weil suchen Spaß macht und weil man sich doch der Wahrheit annnähren kann, auch wenn man sie nie ganz erreicht. Es gibt Menschen, die bewundert man, weil sie ihr leben so leben, wie sie es tun.

    Dass man in 20 Jahren seine jetzigen Ansichten lachhaft findet, glaube ich nicht. Ohne diese Ansichten wärst du nie das geworden, was du bist. Jeder kleine Schritt ist doch essentiell.

    Ich finde die Mathemetapher genial. Wer ist schon gut in Mathe? :) ...es ist halt sehr schwer...aber was gibt es auf der Welt, was man wirklich haben will und was total einfach zu bekommen ist? Für die guten Dinge muss man auch hart arbeiten...unter anderem halt auch an sich selbst.

    Wenn das Leben das kostbarste ist, was wir haben, warum leben die meisten dann einfach nur vor sich hin? Sie machen sich Gedanken, wie sie reich und berühmt werden und sich am besten verkaufen, aber wer setzt sich schon hin und denkt darüber nach wer er ist und wie er leben will. Ist die Philosophie so abschreckend, weil sie sich mit den essentiellen Fragen beschäftigt :)?

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