Donnerstag, 23. August 2012

Wie ich mich dem Schlaf entzog


Zwanzig Stunden mehr Zeit hatte ich die letzte Woche zur Verfügung. Ein neues Schlafexperiment ist die Ursache: die Schlafkompression. Ich reduziere meinen Schlaf und halte mich streng an eine Aufstehzeit. Mehr ist es nicht, aber das reicht zunächst auch ;).

Anregung ist das Buch von den zwei Schlafexperten Müller und Paterok (2010): "Schlaf erfolgreich trainieren; Ein Ratgeber zur Selbsthilfe". Ich dachte, dass hauptsächlich Mediziner sich mit Schlaf beschäftigen, aber Müller und Paterok sind Psychologen. Das ist sympathisch, denn die Behandlung von Schlafstörungen mit Medikamenten nimmt keine zentrale Rolle ein. Stattdessen wird versucht Verhalten zu verändern.

Warum weniger schlafen? Weil der Schlaf dann effizienter ist. Eine Studie von Friedmann, Globus, Huntley, Mullaney, Naitoh und Johnson (1977) gibt den Anlass für diese Behauptung. 4 Pärchen reduzierten über einen Zeitraum von 6-8 Wochen ihren Schlaf auf ca. 5h pro Nacht. Die einzige Nebenwirkung war subjektive Müdigkeit über den Tag hinweg. 1 Jahr nach dem Ende der Untersuchung wurden die Personen nochmal befragt und sie schliefen alle weniger als vor der Studie. Immerhin. Erstaunlich ist, dass es kaum Untersuchungen zu Schlafreduktion gibt. Vielleicht weil niemand bei solchen Experimenten mitmachen will?

6h am Tag habe ich angesetzt, von 02:00-08:00. Bei meinen bisherigen Versuchen zu einer bestimmten Uhrzeit ins Bett zu gehen, bin ich häufig daran gescheitert, dass ich noch nicht müde genug war. Außerdem: wer will schon ins Bett gehen? 2 Uhr erscheint mir eine gute Wahl. Ein Vorteil ist, dass ich mich auch mit nachaktiven Menschen umgeben kann. Durch die kurze Schlafzeit bleibt die Produktivität am Morgen aber erhalten, immerhin habe ich bis Mittag 4h.

Zwei Probleme sind bei einem solchen Ansatz offensichtlich: Aufstehen und ins Bett gehen. Das Aufstehen ist zwar mühlselig, aber nach einigen Minuten stehe ich schon unter der Dusche und der Tag kann beginnen. Schlafengehen ist die tasächliche Qual. Was soll ich tun, wenn ich plötzlich pro Tag ca. 3h mehr Zeit habe? Hört sich komisch an, aber es ist eine extreme Umstellung. Im Buch von Müller und Paterok gibt es auch eine lange Listen von Aktivitäten für den Zeitvertreib falls es da an Kreativität mangelt. Vor allem am Anfang war es schwer wach zu bleiben, aber mittlerweile erledige ich ein paar Hausarbeiten wie Aufwaschen, Bügeln, Aufräumen. Eine gute Ablenkung und am nächsten Tag ist alles sauber. Ich spiele also Putzfrau in der Nacht - Bezahlung ist nicht schlecht.

Langsam scheine ich mich an das System zu gewöhnen. Müdigkeit empfinde ich mittlerweile am 12. Tag des Versuchs nicht, oder nur selten. Normal zu arbeiten ist kein Problem, obwohl ich nicht sicher bin, ob es Leistungseinbußen gibt. Motivational hat sich nicht viel getan, gewöhnliche Hochs und Tiefs wie immer.

Zur Schlafqualität: hat sich subjektiv deutlich verbessert. Wenn ich ins Bett gehe, schlafe ich sofort ein. In den 11 Tagen habe ich immer durchgeschlafen ohne aufzuwachen. Ich hatte damit auch vorher keine großen Schwierigkeiten, trotzdem empfinde ich es als Verbesserung. Vorher hatte ich häufiger das Problem, dass ich zu viel geschlafen habe, das is definitiv gelöst.

Fazit bisher: Schlafkompression hat das Potential die Lebensqualität deutlich zu steigern. Besser schlafen und mehr Zeit haben. Man sollte sich aber vorher gut überlegen, wie man es umsetzt. Das Buch von Müller und Paterok kann ich nur empfehlen.

Sonntag, 5. August 2012

Computer sind doof und die wichtigsten Programme

Teil 1 - wie ich lernte den Computer zu hassen

Seit einigen Wochen habe ich meinen Laptop gar nicht mehr genutzt, da jetzt aber eine Reise angesagt war und ich trotzdem am Ball bleiben muss, habe ich mich also wieder rangewagt. Die Katastrophe war vorprogrammiert, denn alleine die Vorgeschichte war auch ein halber GAU. Looong story short: System sehr langsam geworden und instabil, ich ganz mutig Linux ausprobiert als 2. Betriebssystem. Nach einer Woche  musste ich kapitulieren, obwohl es doch Spaß gemacht hat für meinen Sleeptracker die vorhandenen Pythonprogramme für meine Bedürfnisse umzuschreiben und diverse andere Sachen sich als Vorteile entpuppten (alleine, dass es x mal schneller ist als Ente Windows). Trotzdem war es mir als eingefleischtem Windowsuser nicht möglich die gleiche Effizienz und Bequemlichkeit zu erreichen (ich nutze übrigens unter Windows auch eine Art Shell; und fangt mir nicht mit Mac an, dann sogar noch lieber Linux :)).

Idee war also ein älteres Backup draufzuspielen, als das System noch wunderflott lief. Dabei ist irgendwie der Bootbereich zerstört worden, es ging also gar nichts mehr :). Ok, also nochmal Linux drauf, dann von dort aus versucht den Bootbereich von Windows zu reparieren, ging nicht. Partitionen von Linux gelöscht, Recovery-DVD rausgeholt - Lesefehler. Da macht man also diese schönen DVDs nach Computerkauf und die sind nach nicht mal 2 Jahren im Eimer und wenn man sie dann mal braucht, guckt man blöd aus der Wäsche. Da bleibt ja noch die Recovery-Partition auf der Festplatte, rein, Win neuinstalliert, Bootbereich immer noch im Eimer. Windowsinstaller online vom anderen Rechner gezogen, auf USB-Stick, geht, Bootbereich repariert, Win neuinstalliert. Es läuft, Juhu und Jubel. Backup draufgespielt - System immer noch instabil, zu junges Backup, älteres Backup draufgespielt, nach 5h kommt ein Fehler (Festplatte), Abbruch, alles im Eimer. Nochmal Windows neuinstalliert. Wichtigste Daten von Backup direkt rausgeholt (Dokumente, Bilder...) und jetzt kommen wir also zum zweiten Teil. Alle Programme weg, alles neuinstallieren.

Teil 2 - mein sauberes System from scratch.

Erster wichtiger Schritt: nach Computerneukauf alles platt machen und sich einen normalen Windowsinstaller ziehen und von dort aus installieren. Der Vorteil ist ganz klar: keine blöde Werbung, kein vollgestopftes, lahmes System.

Installer für Win7 z.B. bei Chip: http://www.chip.de/artikel/Windows-7-Neu-installieren-mit-kostenlosem-ISO-2_46353200.html
geht auch auf Stick, z.B. mit dem universal USB-Installer: http://www.pendrivelinux.com/universal-usb-installer-easy-as-1-2-3/

Der Lizenzschlüssel steht normalerweise auf der Rückseite des Laptops.

Zweiter wichtiger Schritt: einen Uninstaller benutzen. Damit ist zumindest theoretisch gewährleistet, dass man Programme tatsächlich vollständig wieder deinstallieren kann und so seinen Rechner nicht zumüllt. Ich habe zunächst Ashampoo Uninstaller ausprobiert und jetzt gerade Total Uninstall, gibt es beides kostenlos (irgendeine Version). Vor der Installation eines Programms wird die registry gespeichert und nach der Installation geprüft, was sich verändert hat, mit dem Dateisystem passiert das gleiche. Sehr praktisch.

Und jetzt kommen die wichtigsten Programme, die für mich das Minimum zur alltäglichen Arbeit darstellen:

Keepass - alle Passwörter in einer Datenbank, gut geschützt, Anmeldung bei allen Onlinediensten mit Autotype ohne jemals ein Passwort in einem Programm gespeichert zu haben. Ich frage mich wirklich, warum das nicht jeder nutzt. Man muss sich nur ein PW merken, den Rest kann man getrost vergessen. Auf einen Stick drauf und man kommt überall an seine Sachen ran (Sicherheit ist gewährleistet, googeln, wen es interessiert).

Truecrypt - Festplatte(teile) schützen, safety first!

fürs Schreiben:

TexLive mit Texniccenter als Editor; TexLive ist sehr groß (im Vgl. zu Miktex), aber ich hatte schon so oft Probleme mit nicht installierten Paketen, etc., dass es sich für mich auszahlt die paar GB zu investieren. Texniccenter ist einer der einfacheren Editoren, aber erfüllt alle meine Wünsche. Ohne Latex geht natürlich auch, aber Latex sieht viel schöner aus, da kommt nichts ran ;). Wer schon mal einen Lebenslauf in Latex gesehen hat, weiß wovon ich spreche. Außerdem ist es kostenlos.

Jabref - als Datenbank für Quellen beim Schreiben

Mendeley - Verwalten von Artikeln mit Cloud

Skype - ist klar, ich habe auch ein bisschen Credit drauf, SMS sind billiger. Es gibt viele Services, z.B. wenn man doch mal länger weg will, kann man sich sogar einen Nummer einrichten lassen und ist dann auf der ganzen Welt darunter erreichbar.

R mit RStudio - für statistische Analysen kommt nichts an R heran, Lernkurve ist definitiv vorhanden, aber es lohnt sich. Fast alles, was es an Statistik gibt, ist in R umgesetzt und meistens auch besser im Vergleich zu anderen Programmen (und kostenlos). RStudio ist eine sehr schöne GUI, ich kenne keine bessere. Zu empfehlen ist dann noch das Paket ProjectTemplate, welches eine Ordnerstruktur automatisch erstellt, für mehr Standard und Usability!

Notepad++, sehr hübscher, schneller Editor für kleinere Editier-Arbeiten

Chrome mit Vimium - fast nur mit Tastatur surfen, Chrome ist leichtgewichtig und somit sehr schnell. Zu Vimium habe ich schon einen Eintrag gepostet.

Thunderbird - wer mag, Mail im Browser abrufen ist mittleweile auch sehr komfortabel, aber in Thunderbird gibt es mehr Optionen. Die Suche ist bei google meiner Meinung nach aber besser.

Dropbox - oder ein anderer Cloudservice, Geadanken machen über mögliche Verschlüsselung, wenn wichtige Daten drauf sind.

Slickrun - meine "personalisierte" Shell, auch dazu hatte ich schon was geschrieben. Effizienzsteigerung ist garantiert.

PdfXChangeViewer - guter Pdf-Viewer mit vielen Funktionen

kostenloses Antivirusprogramm, z.B. Avira

Backupprogramm, z.B. Acronis True Image.

Winamp für Musik

GIMP zur Fotobearbeitung mit Picasa als Foto-Datenbank. GIMP ist nicht so gut wie Photoshop, dafür kostenlos und vollkommen ausreichend für nicht-Profis. Picasa ist wundervoll und  hat auch Cloudfunktion.

Python fürs Programmieren

MS Office - manchmal gibt es keinen Weg daran vorbei, daran sind wir alle Schuld, weil wir es nutzen. Der einzige große Kompromiss den ich eingehen musste. Neben Acronis das einzige Programm, wofür man Geld ausgeben muss. OpenOffice und LibreOffice stellen für mich keine Alternative dar, da die meisten MS Office nutzen und es da immer zu Kompatibilitätsproblemen kommen wird.

Wie sieht's bei euch so aus? Fehlt noch etwas wichtiges in der Liste?